Den Website-Inhalten und Publikationen von jugendschutz.net liegen Begriffsdefinitionen zugrunde, die im folgenden Glossar erläutert werden.

DawaFFM

Der salafistische Verein DawaFFM war hauptsächlich im Raum Frankfurt a.M. aktiv. „Dawa“ bedeutet übersetzt so viel wie „Einladung zum Islam“. Der Verein verfolgte das Ziel, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf belebten Straßen und Plätzen neue, vor allem junge Anhänger für ihre demokratiefeindliche Ideologie zu gewinnen. Das Verbot des Vereins und seiner Kennzeichen durch den Bundesinnenminister erfolgte im Februar 2013, da er sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richtete. Im Internet war der Verein mit einer eigenen Website und zahlreichen weiteren Angeboten präsent, von denen seit dem Verbot viele offline sind.

Siehe auch Hessisches Landesamt für Verfassungsschutz und Bundesamt für Verfassungsschutz.

Dschihad

Dschihad bedeutet übersetzt so viel wie „Anstrengung“ oder „Einsatz“. Im traditionellen Islam wird zwischen dem „großen“ und dem „kleinen“ Dschihad unterschieden. Als „großer Dschihad“ gelten die Bemühungen um die individuelle Glaubensfestigkeit beziehungsweise um das eigene moralische Handeln. Der „kleine Dschihad“ bezeichnet kriegerische Handlungen, die unter bestimmten Voraussetzungen offensiv oder defensiv geführt werden. Wenn auf dieser Website von Dschihad die Rede ist, meint das den bewaffneten Kampf, zu dem einige islamistische Gruppierungen immer wieder über das Internet aufrufen.

Siehe auch Kleines Islam-Lexikon der bpb.

Geschichtsrevisionismus

Unter Geschichtsrevisionismus wird die vor allem in der extremen Rechten beliebten Strategie verstanden, historische Ereignisse für die eigenen, propagandistischen Zwecke umzudeuten. Die "offizielle Geschichtsschreibung", wie sie beispielsweise durch die Geschichtswissenschaft betrieben wird, sei nur ein Herrschaftsinstrument einer kleinen Elite. Ziel sei es, die eigentliche, historische Wahrheit so zu verdrehen, dass ein Großteil der Menschen ihren Zwecken folgt.
Tatsächlich aber halten geschichtsrevisionistische Thesen einer genaueren Überprüfung nicht stand. Mit Quer- und Kettenverweisen sollen diese zwar untermauert werden – und tatsächlich erwecken einige so den Anschein seriöser Quellenarbeit; doch lösen sich die meisten "Beweise" schnell in Luft auf, wenn wissenschaftliche Quellen herangezogen werden.

Siehe auch Rechtsextremismus-Glossar der bpb.

Islamismus

Islamismus ist eine Form des politischen Extremismus, in der religiöse Regeln und Normen des Islam (oder solche, die dafür ausgegeben werden) als konkrete politische Handlungsanweisungen verstanden werden. Ziel islamistischer Akteure ist die Umgestaltung von Rechtsordnung, Staat und Gesellschaft zu einer theokratischen Herrschaftsform, in der Staat und Religion nicht getrennt sind. Nach fundamentalistischer Interpretation soll eine bestimmte Auslegung des Islam verbindliche Leitlinie für das individuelle und gesellschaftliche Leben sein. Zentrale Elemente einer pluralistischen Gesellschaft und Grundsätze der freiheitlichen, demokratischen Grundordnung treten zugunsten einer Ideologie der Ungleichwertigkeit der Menschen zurück. Gewalt zur Durchsetzung der Ziele wird von einem Teil des islamistischen Spektrums legitimiert. Islamismus wird demnach als Überbegriff verwendet. Er beinhaltet verschiedene Strömungen, die z.T. den unterschiedlichen innerislamischen Glaubensrichtungen entstammen.

Siehe auch Rubrik Islamismus bei der bpb.

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat (IS) ist eine terroristische Organisation, die hauptsächlich in Syrien und dem Irak agiert. Durch Bürgerkrieg, Staatszerfall und Machtvakuum war es der Gruppierung möglich, in weiten Teilen der beiden Staaten eine territoriale Herrschaft zu errichten. Als Ausdruck dessen wurde im Juni 2014 das „Kalifat“ ausgerufen, in dem fortan nur noch eine sehr rigide Interpretation der Scharia gelten sollte. Mit einer professionellen Propagandastrategie nutzt der IS vor allem das Social Web, um auch im deutschsprachigen Raum zu rekrutieren und extremistische Ideologie zu verbreiten. Besonderes Merkmal ist die Ästhetisierung realer Gewalthandlungen in zahlreichen Videoveröffentlichungen der Organisation. Hinrichtungen von Menschen durch Massenerschießung, Enthauptung oder Verbrennung werden so in Szene gesetzt, dass die Gewalthandlung an sich als „heiliger Akt“ erscheint. Dadurch wird der Mord an den Feinden der Organisation nicht nur legitimiert, sondern auch zum Dienst an Gott verklärt. Im September 2014 wurde die Organisation vom Bundesinnenminister verboten. Damit ist auch die Verbreitung von Kennzeichen des IS strafbar.

Siehe auch Guido Steinberg für die bpb.

Islamophobie

Islamophobie und Muslimfeindlichkeit werden meist als Synonyme verwandt. In der Wissenschaft herrscht hierüber jedoch Uneinigkeit. So wird mit dem Begriff Islamophobie ein Schwerpunkt auf die generelle Ablehnung des muslimischen Glaubens als solchen beschrieben.
Der Islam wird als ahistorische Ideologie verstanden und als moralisch sowie zivilisatorisch rückständig abgewertet. Menschen muslimischen Glaubens seien somit Anhänger einer Glaubenslehre, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung in keiner Weise zu vereinbaren sei.

Siehe auch Rechtsextremismus-Glossar der bpb.

Kalifat

Das Kalifat ist eine theokratische, antidemokratische Herrschaftsform. Der Herrscher, genannt Kalif, vereint in seiner Person die weltliche und religiöse Führerschaft und gilt als göttlich legitimiert. In seinem Verantwortungsbereich liegt die Aufrechterhaltung und Durchsetzung des „islamischen Rechts“, der Scharia. Dadurch soll ein gottgefälliges Leben der Menschen innerhalb einer solchen Herrschaftsform gewährleistet werden.

Siehe auch Kleines Islam-Lexikon der bpb.

Millatu Ibrahim

Millatu Ibrahim war eine salafistische Gruppierung in Deutschland. Die Bezeichnung bedeutet übersetzt so viel wie „Religionsgemeinschaft Abrahams“. Abraham gilt im Islam als wichtiger Prophet. Millatu Ibrahim und seine zugehörigen Kennzeichen wurden im Mai 2012 vom Bundesinnenminister verboten, weil sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richtete.

Aktivisten der Gruppe waren maßgeblich an gewaltsamen Ausschreitungen in Solingen und Bonn im Mai 2012 beteiligt, die sich gegen muslimfeindliche Kundgebungen richteten. In zahlreichen Onlinepublikationen, meist Videos, legitimierten führende Kader Gewalt und riefen zum militanten Dschihad auf. Einige Aktivisten der Gruppe haben sich dem Islamischen Staat in Syrien und dem Irak angeschlossen.

Auch die nachfolgende Ersatzorganisation Tauhid Germany wurde 2015 verboten und aufgelöst.

Siehe auch Ulrich Kraetzer für die bpb und Claudia Dantschke für die bpb.

Muslimfeindlichkeit

Mit dem Begriff Muslimfeindlichkeit soll die kategorische Abwertung von und feindselige Haltung gegenüber Muslimen benannt werden. Muslime werden hier als ungleichwertige Personen diffamiert, die es gesellschaftlich zu isolieren oder gar gewaltvoll zu verfolgen gilt.
Häufig werden diese Vorurteile mit äußeren Merkmalen vermischt, die sowohl kulturellen wie auch biologischen Ursprungs sein können. Das Kopftuch, eine spezifische Ernährungsweise, schwarze Haare, patriarchale Familienstrukturen oder ein Hang zur Gewalt gelten als unhintergehbare Eigenschaften von Muslimen überhaupt.
Dabei werden Vorurteile zum Ziele der Abwertung einer ganzen Bevölkerungsgruppe generalisiert und infolgedessen Angst und Hass ihr gegenüber geschürt.

Siehe auch Glossarvideo der bpb und Alexander Häusler für die bpb.

Salafismus

Der Salafismus (oder auch Salafiyya) ist eine Richtung des Islamismus, der eine ultrakonservative Auslegung des Islam zugrunde liegt. Die Anhänger nehmen für sich in Anspruch, den „wahren“ Islam zu vertreten. In ihren Augen folgen sie dem Vorbild des Religionsstifters Mohammed und seinen Nachfolgern der ersten drei Generationen, die angeblich als einzige den Islam richtig lebten. Die totalitäre Ideologie ist geprägt von einer dualistischen Einteilung der Menschen in Gläubige und Ungläubige, wobei nur derjenige als wahrhaft gläubig gilt, der sich strikt an die vorgegebenen Regeln hält.

Salafismus lässt sich grob in drei Strömungen unterteilen: Puristisch, politisch und dschihadistisch. Wenn auf dieser Website von „Salafismus“, „Salafisten“ oder „salafistisch“ die Rede ist, sind stets nur die politischen und dschihadistischen Vertreter dieser Richtung gemeint. Politische Salafisten lehnen demokratische Werte sowie die Gleichheit aller Menschen ab. Die dschihadistischen Salafisten befürworten darüber hinaus auch Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele.

Siehe auch Glossar des Infodienstes Radikalisierungsprävention der bpb.

Scharia

Scharia bezeichnet das islamische Recht oder die islamische Rechtsordnung und soll Leitlinie für ein gottgefälliges Leben sein. Grundsätzlich stellt die Scharia kein klassisches, abgeschlossenes Gesetzbuch dar, sondern unterliegt vielfältigen Interpretationen durch die Gläubigen. Sie basiert im Wesentlichen auf dem Koran und den überlieferten Taten und Worten Mohammeds des Propheten, der Sunna. Dazu kommen Auslegungen der islamischen Rechtsgelehrten, die innerhalb islamischer Gemeinschaften stark differieren können. Eine menschenrechtskonforme Deutung der Scharia ist mit einem liberalen Islamverständnis vereinbar. Neben unproblematischen Richtlinien wie rituellen und kultischen Anweisungen enthält die Scharia jedoch auch Bestimmungen, die in strikter Auslegung mit den allgemeinen Menschenrechten unvereinbar sind. So sind dort beispielsweise Körperstrafen bis hin zum Tod für Handlungen wie Diebstahl oder Ehebruch vorgesehen. Weitere Aspekte betreffen die herabwürdigende Stellung von Frauen und Nicht-Muslimen.

Siehe auch Glossar des Infodienstes Radikalisierungsprävention der bpb.

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien zielen darauf ab, bestimmte Ereignisse oder Entwicklung als Folge oder Ziel konspirativer Aktivitäten durch bestimmte Personen oder Gruppen zu deuten. In rechtsextremen Kreisen wird beispielsweise behauptet, alle Kriege seien von Juden und ihren Handlangern inszeniert und der Holocaust frei erfunden. Ein Schlagwort, das sich durch fast alle Verschwörungstheorien zieht, ist die "Neue Weltordnung" (NWO), die als eine Art übergeordnete Weltregierung das angebliche Ziel jeder Verschwörung sei. Alle bisher bestehenden Systeme, Ordnungen, Religionen, Staatsformen, sozialen Zusammenhänge sollen dazu unterwandert und zerstört werden. Sämtliche Katastrophen, Kriege, Unglücke und Anschläge werden in dieser Vorstellung auf die Verschwörer und ihre Helfershelfer zurückgeführt. Neben gesellschaftlichem Wandel werden auch persönliche Misserfolge damit erklärt.

Siehe auch Glossarvideo der bpb.