Mobilisieren per Mausklick
Das Mobilisierungspotenzial des Internets spielt für die rechtsextreme Szene eine wichtige Rolle. Neonazis rekrutieren auf Websites und in Communitys für Aufmärsche, Konzerte oder sonstige Events. Über das Netz lassen sich Veranstaltungen und inhaltliche Kampagnen effektiv bewerben und leicht koordinieren. Infos zu Veranstaltungsorten werden quer durch das Internet "getwittert" und sind tagesaktuell abrufbar. Materialien wie Flyer und Sprühschablonen sind an der Lebenswelt heutiger Jugendlicher ausgerichtet und hipp gestaltet. Videoclips werden eingesetzt, um mit klaren Botschaften, emotionalisierender Musik und jugendlichen Identifikationsfiguren neue Anhänger zu gewinnen.
Werbung für Aktionen über YouTube, Twitter und Co.
Derzeit machen Rechtsextreme auf mehr als 40 Mobilisierungsseiten auf ihre Aktionen aufmerksam. Bunt und modern gestaltet laden sie zur Teilnahme ein und appellieren an den Rebellionsgeist und das Aktionspotenzial junger Menschen.
Ergänzend werden die Events über Beiträge in sozialen Netzwerken und Videoplattformen bekannt gemacht: Nicht selten lassen sich die letzten Informationen darüber, wann und wo Szeneevents steigen, bei YouTube, Twitter und Co. nachlesen. Auch über leicht zugängliche Kontaktformulare sind Detailinfos und Demo-Materialien nur einen Mausklick entfernt. Im Blick dabei vor allem junge Internetuser, die mit knackigen Slogans und bunten Bannern direkt angesprochen werden. Die Mischung aus Mobilisierung, unverfänglichen gesellschaftspolitischen Themen und rechtsextremer Ideologie ist besonders problematisch.
Mehr unter Neonazis 2.0
Inzwischen finden auch kurzfristig angekündigte, so genannte "Flashmobs", statt, die teils parallel an verschiedenen Orten durchgeführte werden. Diese machen über Foren, Weblogs und Web 2.0-Plattformen schnell die Runde: Aktionen werden nahezu konspirativ geplant und angekündigt, vor Ort gefilmt, und das Material dann anschließend über das Internet verbreitet. So bestehen in der Onlinewelt der rechtsextremen Szene ständige Action und Mitmachmöglichkeiten.
Neonazistische Gedenktage und Kampagnen
Zahlreiche wiederkehrende Veranstaltungen prägen den Jahreskalender der rechtsextremen Szene auch im Netz. Anlass für Aufmärsche und Demonstrationen bieten oftmals historische Gedenktage: So begeht die Szene schon seit Jahren den 01. Mai als „Arbeiterkampftag“, bei dem Neonazis antidemokratische und rassistische Hetze betreiben. Am 08. Mai wird anlässlich der Kapitulation des Hitler-Regimes nicht dem Ende des Zweiten Weltkriegs gedacht, sondern das Datum in einer revisionistischen Kampagne zum „Tag der Schande“ umgedeutet. Auch um führende Personen des Nationalsozialismus ranken sich Gedenktage, die im Internet beworben werden: Jährlich mobilisieren Neonazis auf ihren Websites anlässlich des Todestages vom Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu Aufmärschen und Gedenkveranstaltungen, bei denen Heß als Held und „Märtyrer für den Frieden“ dargestellt wird. In all diesen Fällen werden historische Fakten verdreht und das Gedenken für neonazistische Propaganda missbraucht.
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Daneben existieren Kampagnenseiten zu aktuellen innen- und außenpolitischen Themen. So wird beim jährlichen Antikriegstag auf den ersten Blick unauffällig unter dem Deckmantel friedenspolitischer Absichten gegen den Krieg im Nahen Osten und den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan Stellung bezogen. Der rechtsextreme Kontext wird bei einem Blick auf Kampfbegriffe wie "USraelischen Massenmord" oder "Gegen demokratische Kriegstreiberei" schnell deutlich: Es geht dabei um einen rassistisch und antisemitisch motivierten Angriff auf demokratische und pluralistische Gesellschaftssysteme. Gerade angstbesetzte Themen wie Krieg oder auch soziale Probleme bergen ein breites Mobilisierungspotenzial; sie bieten Anschlussmöglichkeiten an gesellschaftliche Protestbewegungen innerhalb des demokratischen Spektrums und erleichtern dadurch die Ansprache von Personen fern rechtsextremer Gesinnung.
Politische Botschaften auf Festivals und Musikevents
Auch regelmäßige Musikevents haben eine politische Komponente und transportieren rechtsextreme Botschaften. So bildet das so genannte Fest der Völker, das seit 2001 organisiert und im Netz mit eigenen Kampagnen beworben wird, den Kristallisationspunkt einer ethnopluralistischen Strömung innerhalb der Szene. Dabei wird der zugrunde liegende Rassismus kaschiert und stattdessen unter sozialdarwinistischen Vorzeichen von der „natürlichen Entwicklung eines jeden Volkes“ gesprochen, die sich nur „im angestammten Land frei und selbstbestimmt vollziehen kann“. Auf dem Festival selbst sorgen dann Musiker aus ganz Europa auf der Bühne für Stimmung und fordern in ihren Songs ein „Europa der Vaterländer“.
Für das seit 2003 stattfindende Festival "Rock für Deutschland" haben rechtsextreme Aktivisten im Internet bereits vielfältige Werbestrategien etabliert: Webbanner, Videobotschaften und Materialien wie Flyer und Poster stehen zum Download bereit und versprechen Spannung und Action in der Gruppe. Slogans wie "Rock gegen Krieg" sollen dabei kaschieren, dass auf den Events fremdenfeindliche und diskriminierende Ansichten verbreitet werden. Für unbedarfte User ist diese Intention nicht unbedingt auf den ersten Blick klar.
Rechtsterrorismus: Szenereaktionen und Gewaltaufrufe im Netz
Die neonazistisch motivierten Gewalttaten des rechtsterroristischen Nationalsozialistischer...



