Rechtsextreme im Web 2.0
Das Web 2.0 spielt für Rechtsextreme eine immer größere Rolle. In sämtlichen sozialen Netzwerken, auf Videoplattformen und Bloggingdiensten finden sich Beiträge der Szene: Videos, Profile und Tweets von neonazistischen Kameradschaften, Autonomen Nationalisten, rechtsextremen Versandhändlern, Bands und der NPD sind keine Seltenheit und dienen dazu, Propaganda zu verbreiten und neue User für Szeneaktivitäten zu gewinnen.
Mehr unter Aktuelle Zahlen
jugendschutz.net hat inzwischen mehr als 7.000 Videos und Profile auf zugehörigen Plattformen gesichtet und mehr als 2.000 Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen dokumentiert.
Jugendliche mit Videos und Musik ködern
Zentrale rechtsextreme Botschaften werden heute vor allem über Videoclips und Musik vermittelt. Beide Medien erleichtern die Ansprache von Jugendlichen und lassen sich einfach auf Websites der Szene sowie Web 2.0-Plattformen einbinden. Viele der rechtsextremen Machwerke instrumentalisieren sozialpolitische Fragen, die auch eine jugendliche Zielgruppe bewegen. Dabei liefern emotionalisierende Thesen, die den Zuschauer unmittelbar ansprechen, einfache Begründungszusammenhänge, denen man auf den ersten Blick leicht zustimmen kann.
Mehr unter Typische Themen
Mit Media Pro Patria und Volksfront Medien existierten in den letzten beiden Jahren rechtsextreme Filmschmieden, die mit ihren teilweise professionell gestalteten Videos wie "Endstation Zeitarbeit", "Xenophopie" oder "Kinderarmut in Thüringen" fremden- und demokratiefeindliche Ressentiments schürten. Viele der Filme wirken auf den ersten Blick seriös, der rechtsextreme Kontext erschließt sich nicht unmittelbar. Bei anderen Clips entfalten jugendliche Identifikationsfiguren eine überzeugende Wirkung: Mit schnellen Schnitten und wechselnden Einstellungen bedienen sie jugendliche Sehgewohnheiten und verbreiten mit ihrer direkten Sprache klare und einfache Botschaften.
Rechtsextreme soziale Netzwerke und Szeneblogs
Einige Dienste ermöglichen ihren Usern die Gründung sozialer Netzwerke. Wenn Rechtsextreme von diesen Angeboten Gebrauch machen, entstehen abgeschottete Parallelwelten, in denen Gleichgesinnte ungehindert gegen Minderheiten hetzen, demokratiefeindliche Thesen verbreiten und gemeinsame Aktionen planen. 2009 dokumentierte jugendschutz.net mehr als 90 neonazistische Communitys mit bis zu mehreren Hundert Gesinnungsgenossen aus der gesamten Bundesrepublik. Meist wurden dort auch rechtsextreme Musik, Bilder und Schriften getauscht.
Daneben existieren dezidiert Videoplattformen von Neonazis. Auf einschlägigen Portalen wie White Nationalist Tube stellen Rechtsextreme aus der ganzen Welt Hassinhalte ein. Musikvideos aus dem Umfeld des in Deutschland verbotenen Blood-and-Honour-Netzwerks, antisemitische Hetzfilme aus der Zeit des Nationalsozialismus oder Darstellungen von rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Minderheiten sind keine Seltenheit.
Eine Vielzahl an Websites, vor allem aus dem Spektrum neonazistischer Kameradschaften, wird inzwischen als Weblog betrieben. Sie sind einfach zu aktualisieren und erleichtern es, kontinuierlich neue Beiträge zu veröffentlichen. User werden dort tagesaktuell über rechtsextreme Aktivitäten informiert und Videos aus unterschiedlichen Plattformen eingebunden. Gleichzeitig können Postings direkt kommentiert und Materialien verlinkt werden. Dadurch erhält auch der Blog einen gewissen Grad an Interaktivität. Mit dem Dienst logr.org trat 2007 der erste rechtsextreme Bloggingdienst auf den Plan, bei dem 2009 mehr als 120 Szeneangebote eingestellt waren.
Schnelle Verbreitung von Hassmaterialien im Web 2.0
Welche Bedeutung das Web 2.0 auch für die Verbreitungsgeschwindigkeit neuer rechtsextremer Materialien hat, zeigte sich 2009 an zwei Beispielen: Zunächst fand im Juni die neue CD der rechtsextremen Band Zillertaler Türkenjäger sehr rasch Verbreitung über Videoplattformen wie MyVideo und soziale Netzwerke wie MySpace. Das Album "Die lustigen Zillertaler - Wir lassen uns das Singen nicht verbieten" enthielt rechtsextreme Cover-Versionen von Liedern bekannter Künstler wie Herbert Grönemeyer, die teilweise mit jugendgefährdenden Texten unterlegt wurden. Interessierte User konnten sich das komplette Album mit CD-Hülle herunterladen. Im August folgte dann die neue Schulhof-CD der NPD, die bereits vor der offiziellen Verbreitung über die Website der rechtsextremen Partei auf deren Twitter-Profil zum Download bereitstand.
Rechtsterrorismus: Szenereaktionen und Gewaltaufrufe im Netz
Die neonazistisch motivierten Gewalttaten des rechtsterroristischen Nationalsozialistischer...



