Rechtsextremismus

Online Hass gegen Geflüchtete

Geflüchtete werden pauschal als "Schmarotzer" und Kriminelle verunglimpft

Geflüchtete Menschen sind ein beliebtes Feindbild rechtsextremer Gruppen. Sie kommen aus dem Ausland, haben oft kaum persönliche Netzwerke in Deutschland und sind zunächst auf Unterstützung der Aufnahmegesellschaft angewiesen. All das macht sie für rechtsextreme Propaganda interessant. Rassistische Stereotype können gegen Geflüchtete in Stellung ge-bracht werden und lösen nur wenig Widerspruch aus. Staatliche Ausgaben für Geflüchtete können relativ einfach zur Grundlage von Neiddebatten instrumentalisiert werden.

Rechtsextreme Gruppen nutzen dies gezielt im Netz aus. Sie behaupten in Memes oder Kommentaren, dass Asylsuchende besonders viel staatliche Unterstützung erhielten und die deutsche Bevölkerung benachteiligt werde. Eine Masche, die zieht: Nicht weniger solcher Beiträge verbreiten sich viral und erhalten viel Zuspruch und Likes.

Geflüchtete sind schuld: Mithilfe einfacher Zuschreibungen werden Asylsuchende für Armut und soziale Ungleichheit verantwortlich gemacht. Nicht selten finden sich unter solchen Beiträgen Forderung wie Deutschen zuerst zu helfen, und hasserfüllte Gewaltaufrufe. (Quelle: Facebook)

Sehr häufig findet man im Netz auch die Behauptung, Geflüchtete seien besonders kriminell. In den sozialen Netzwerken finden sich viele Auftritte, die fast ausschließlich eine vermeintlich grassierende "Ausländerkriminalität" thematisieren. Dabei werden sowohl tatsächliche Straftaten instrumentalisiert und emotional aufgebauscht, wie auch Unterstellungen und ganze Falschmeldungen verbreitet. Behauptet wird dabei, dass Kriminalität bei Geflüchteten kulturell begründet sei und sie daher ein Sicherheitsrisiko darstellten. Schnell verfestigen sich so rassistische Stereotype und die Hetzpropaganda überträgt sich auf weitere Gruppen. Im Zuge der gestiegenen Asylanträge von Menschen aus muslimischen Ländern registrierte jugendschutz.net beispielsweise einen Anstieg an antimuslimischem Rassismus im Netz.

 

Rechtsextreme nutzen Hass auf Geflüchtete für antidemokratische Propaganda

Auch Unterstützerinnen und Unterstützer von Geflüchteten geraten mitunter in den Fokus und werden online verunglimpft. Neben Ehrenamtlichen trifft dies auch Politikerinnen und Politiker, die sich für die Aufnahme von Geflüchteten stark machen. Insbesondere für Personen, die sich auf lokaler Ebene engagieren, kann der Online-Hass gefährlich werden. In ortsbezogenen Anti-Flüchtlingsgruppen in den Sozialen Netzwerken werden Adressen der als "Gutmenschen" oder "Teddybärenschmeißer" verunglimpften Personen verbreitet.

Die Verteidigung Europas gegen "Invasoren": Dass die Zunahme von Geflüchteten unweigerlich auf einen Verteidigungskrieg gegen Überfremdung und für den Erhalt des "christlichen Abendlandes" hinauslaufe, ist ein häufig verwandtes Schreckensszenario. (Quelle: Facebook)

Diese Ausweitung der Hetze gegen andere Personengruppen kommt nicht von ungefähr. Rechtsextreme Gruppen lancieren im Fahrtwind der Debatte über Geflüchtete auch antidemokratische Propaganda. Treten im Zuge der Aufnahme Herausforderungen für die Aufnahmegesellschaft auf, beschwören Rechtsextreme im Netz das Versagen des verhassten demokratischen Systems als solches. In Verschwörungstheorien behaupten sie, anstelle von Kriegen oder politischen Willkürsystemen seien Machenschaften meist ausländischer Akteure (wie beispielsweise die USA, Israel oder ein globales Netz mächtiger Eliten) die wahren Verursacher der Flüchtlingsströme. Sie würden "Migration als Waffe" einsetzen, um die einheimische Bevölkerung zu unterdrücken oder gar zu vernichten. Durch ein solch existenzielles Bedrohungsszenario wird schließlich Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung legitimiert und nahegelegt.

 

Das Phänomen der zunehmenden Online-Hetze gegen Geflüchtete wurde auch vom International Network Against Cyber Hate (INACH) analysiert. Aus der Perspektive von INACH-Mitgliedern aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Spanien zeigt der 2016 veröffentlichte Report auf, in welchen Formen sich der Hass gegen Geflüchtete nach der so genannten "Flüchtlingskrise" in vielen europäischen Ländern zeigt. Hier geht es zur Broschüre

 

 


Datum:
27.10.2016