Islamismus

Islamisten stacheln online zu Judenhass an

Antisemitismus zentraler Bestandteil islamistischer Propaganda

In den vergangenen Jahren hatte jugendschutz.net vor allem in Sozialen Netzwerken immer wieder antisemitische Beiträge mit islamistischem Hintergrund dokumentiert. Zu beobachten war dabei, dass die Massivität der Judenhetze regelmäßig zunimmt, sobald es im Israel-Palästina-Konflikt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt.

Juden als Bedrohung zu sehen, sie bekämpfen oder gar vernichten zu wollen, gibt es im gesamten islamistischen Spektrum. Antisemitismus wird dabei häufig als Antizionismus getarnt, also als Kritik, die sich nicht gegen Juden, sondern allein gegen Israel oder "Zionisten" richtet. Gleichwohl bemühen die Autoren dabei immer wieder antisemitische Stereotype und verschwörungstheoretische Erzählungen, z.B. vom Finanzjudentum oder jüdischem Weltmachtstreben.

Um den Antisemitismus anschlussfähiger zu machen, werden auch religiöse Quellen herangezogen und mit judenfeindlicher Propaganda verwoben. Koranverse oder Überlieferungen (Hadithe), die von der Gegnerschaft zwischen dem Religionsstifter Mohammed und den Juden in Medina im 7. Jahrhundert handeln, werden aus dem Zusammenhang gerissen. Sie sollen belegen, dass die Ablehnung der Juden von Gott selbst vorgegeben sei. Gläubigen Muslimen wird dadurch das Bild vermittelt, die Diskriminierung von Angehörigen des Judentums sei fester Bestandteil des Islam und somit durch göttlichen Willen gerechtfertigt.

Religiöse Begründung: Schrift-Quellen werden benutzt, um eine feindliche Haltung gegenüber Juden zu legitimieren. (Quelle: Facebook)

Hass auf Juden wird gezielt geschürt

Vor allem Bilder toter und verstümmelter Menschen, mehrheitlich Kinder, werden instrumentalisiert, um Juden zu dämonisieren. Nachweislich werden auch Bilder aus anderen Konflikten, beispielsweise aus Syrien, dazu missbraucht. Abgebildete Personen werden zu palästinensischen Opfern der israelischen Angriffe erklärt und ihr Leiden in Großaufnahme zur Schau gestellt. Die Abbildungen dienen dann dazu, Juden als kindermordendes Volk und damit als unmenschlich zu verunglimpfen.

Auf Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter wird regelmäßig deutlich, wie schnell die Instrumentalisierung von Leidensdarstellungen eine Spirale hasserfüllter Beiträge zur Folge hat. Die Bilder schockieren und erzeugen Mitleid, aber auch Wut, die schnell in offenen Judenhass umschlägt und auch zu vielen volksverhetzenden Beiträgen und Gewaltaufrufen führt. Die Authentizität der Quellen wird dabei nicht hinterfragt, die Bilder werden unkritisch weiterverbreitet.

Bilder toter Kinder: Häufig verwendetes Mittel, um Hass gegen Juden zu schüren (Quelle: Facebook; Original unverpixelt)

Unkritische Übernahme antisemitischer Parolen

Die eigene Opferrolle wird häufig unterstrichen mit Aussagen, die Juden führten ein Komplott gegen den Islam, fühlten sich als die wahren Herren der Welt und wollten alle Muslime vernichten. Das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern sei dafür der beste Beweis.

Die islamistische Bewertung des kriegerischen Konflikts stellt Israel daher als den alleinigen Täter dar, der nur unschuldige palästinensische Zivilisten abschlachte. Die Folgen von Hamas-Attacken auf Israel werden weitestgehend ausgeblendet oder heruntergespielt.

Solche Behauptungen verfehlen ihre Wirkung nicht: Immer wieder übernehmen User im Social Web diese Sichtweisen ohne zu hinterfragen. Beispielsweise äußerten Jugendliche ihr Bedauern darüber, dass Hitler nicht alle Juden getötet habe.

Niedrige Hemmschwelle: Jugendliche werden zu volksverhetzenden Aussagen angestachelt (Quelle: Facebook; Original unverpixelt)

Datum:
19.10.2016

Zusammenfassung

Der Israel-Palästina-Konflikt stößt innerhalb der muslimischen Community auf großes Interesse und wird dort ausgiebig debattiert. Islamisten nutzen dies als Anknüpfungspunkt für antisemitische Propaganda. Das Social Web spielt für die Reichweite der Hetze eine entscheidende Rolle: Die Funktionen des "Teilens" und "Likens" führen dazu, dass tausende User mit islamistisch motiviertem Antisemitismus und grausamen Bildern konfrontiert werden, auch viele Jugendliche. Antisemitische Parolen fallen dabei häufig auf fruchtbaren Boden und münden in Gewaltaufrufen.