Islamismus

Nahost-Konflikt für Hass instrumentalisiert

Menschenverachtung als Solidarität getarnt

Islamisten verbreiten auf Facebook unter dem Deckmantel der Solidarität mit Palästina menschenverachtende Propaganda und werben für islamistische Gruppierungen und deren Weltsicht. Themen der Profile wie Schicksal und Lebensbedingungen der Palästinenser im Gaza-Streifen sprechen vor allem junge Muslime an – dies zeigen zugehörige Kommentare, "Likes" und "Shares".

Durch familiäre oder kulturelle Bezüge, aber auch durch das Verlangen nach politischer Positionierung, haben viele einen unmittelbaren Zugang zur Thematik und radikale Ansichten sind leichter anschlussfähig. Diese "Pro-Palästina"-Angebote treten jedoch nicht für die Wahrung von Menschenrechten ein, sondern setzen auf emotionalisierende Propaganda mittels Antisemitismus, grausamen Gewaltdarstellungen und simplem Freund-Feind-Schema.

Ideologie wird beiläufig verbreitet

Viele Beiträge sind gut getarnt und sollen den Eindruck von beiläufigen Informationen erwecken. Auf dem Facebook-Profil "Free Palestine" wurden z.B. zwischen kritischen Beiträgen zum Nahost-Konflikt Videos salafistischer Prediger gepostet oder salafistische Veranstaltungen und Kontaktmöglichkeiten beworben. So sollen Jugendliche direkt indoktriniert und für Gruppierungen gewonnen werden.

Zu finden sind auch Profile, auf denen die Kämpfer der terroristischen Hamas als Helden glorifiziert, terroristische Taten gegen israelische Zivilisten als Selbstverteidigung verklärt oder gänzlich negiert werden. Propagiert werden auch die Ziele der Hamas: Die komplette Vernichtung Israels und die Gründung eines islamischen Staates.

Auf dem Profil "Free Palestine" wird für eine salafistische Veranstaltung geworben. (Quelle: Facebook)

Mit Popkultur zu Hass angestachelt

Eine Strategie der Islamisten ist der Einsatz von Bildern und Memes, die den Rezeptionsgewohnheiten junger User entsprechen. Elemente aus der Populärkultur, die Jugendlichen aus ihrer Lebenswelt geläufig sind, werden dabei ihrem eigentlichen Kontext entnommen und in einen neuen, extremistischen Zusammenhang gestellt. Für die Zielgruppe sind die Botschaften einfach und schnell aufzunehmen, die Beeinflussung mit islamistischem Gedankengut geschieht nebenbei.

Beispielsweise wird in "coolem" Design die Vernichtung Israels propagiert: Instrumentalisiert werden dazu zwei Roboter aus dem Kino-Erfolg "Transformers", die Gut und Böse repräsentieren. In der Collage steht der gute "Hamas-Roboter" mit der Aufschrift "Jihad" für den "geheiligten" Kampf. Der böse "Israel-Roboter" mit der Zuschreibung "Born to Kill" symbolisiert, Juden seien von Natur aus unmenschlich und müssten daher vernichtet werden. Diese Botschaft wird im unteren Teil des Bildes verstärkt mit dem Satz: "Stand up Palestine, Destroy Israel".

Vernichtung Israels durch jugendaffine Transformers-Reihe propagiert. (Quelle: Facebook; Original unverpixelt)

Antisemitismus durch Kommentare geschürt

Nicht bei allen gesichteten Profilen mit islamistischem Hintergrund ist die menschenverachtende Ausrichtung auf den ersten Blick erkennbar. Während manche Profilbetreiber zurückhaltend agieren, vermeintlich gerechtfertigte Kritik am Staat Israel üben und drastische Aussagen vermeiden, werden unter den eigentlichen Beiträgen antisemitische Hetzkommentare gepostet.

Immer wieder schalten sich auch User ein, die explizit islamistisches, teilweise sogar dschihadistisches Gedankengut verbreiten und die Stimmung gezielt anheizen. Anfängliche "Zurückhaltung" schlägt dann schnell in unverhohlenen Judenhass um und schafft ein Klima, in dem volksverhetzende Aussagen veröffentlicht werden – auch von Jugendlichen.

User-Kommentar bewirbt die terroristische Organisation "Islamischer Staat". (Quelle: Facebook; Original unverpixelt)

Verstöße meist auf salafistischen Angeboten

Das Gros der Jugendschutzverstöße findet sich auf Profilen aus dem politisch-salafistischen Spektrum. Grausame Darstellungen, welche die Menschenwürde verletzen und die Folgen von Gewalteinwirkungen in drastischer Weise zeigen, beispielsweise Bilder schwerverletzter Kinder, werden dabei besonders häufig eingesetzt. Zu Volksverhetzungen kommt es hauptsächlich in den Kommentarbereichen. Dort wünschen User immer wieder Israel oder allen Juden die Vernichtung und äußern beispielsweise Bedauern darüber, dass Hitler nicht zu Ende gebracht habe, was er begann.


Datum:
26.10.2016

Zusammenfassung

Islamisten nutzen den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, um Jugendliche für ihre Ideologie zu ködern. Dabei stacheln sie vielfach unverhohlen zu Hass und Gewalt gegen Juden an. Erstellt werden "Palästina-Solidaritätsprofile" im jugendaffinen Social Web, die vor allem auf muslimische Heranwachsende abzielen. Mit gewalthaltigen Darstellungen und popkulturellen Mitteln sollen sie emotional angesprochen und radikalisiert werden.