Rechtsextremismus

Verunglimpfung von Muslimen im Netz

Breites Spektrum der Agitation

Islamfeindliche Inhalte kennzeichnen, dass sie den Islam als Religion ablehnen oder abwerten. Sie münden oft in muslimenfeindlichen oder antimuslimischen Äußerungen und Reaktionen, also einer generell feindseligen Haltung gegenüber Muslimen. Aktuell ist vor allem die Propaganda der "Identitären Bewegung" stark durch antimuslimischen Rassismus geprägt. Sie präsentieren sich im Social Web mit Slogans und jugendgemäßen Aktionen, hetzen gegen "Multikulti" und treten für den Erhalt einer "ethnokulturellen Identität" ein. Militanter agiert beispielsweise die rechtsextreme German Defence League (GDL). Die GDL entwickelte sich nach dem Vorbild der English Defence League, eine aus der Hooliganszene stammende islamfeindliche Gruppierung in Großbritannien.

Daneben existieren dezidiert antimuslimische Blogs. Hier transportieren die Autoren unter dem Vorwand, Islamkritik zu üben, eine generell abwertende Haltung gegenüber Muslimen. Zentrales Motiv ist die vermeintlich drohende "Islamisierung Europas". Nicht zuletzt verfolgen zahlreiche Facebook-Seiten mit Titeln wie "Burka? NEIN! Sharia? NEIN! Minarett? NEIN! Und dazu steh ich!" oder "Islam – die böse Ideologie", einzig den Zweck, Ressentiments zu schüren und den Islam sowie alle Muslime pauschal abzulehnen.

Grausame Darstellungen sollen Rassismus legitimieren

Vor allem im Zusammenhang mit Konflikten im Nahen Osten finden sich auf islamfeindlichen Angeboten immer wieder Beiträge, in denen Darstellungen dschihadistischer Gräueltaten wie detaillierte Exekutionen oder verstümmelte Opfer im Mittelpunkt stehen. Sie werden von rechtsextremen Akteuren instrumentalisiert, um zu schockieren und damit rassistische Thesen zu untermauern. Demnach liege der Hang zu Gewalt und Grausamkeiten in der Natur von Muslimen und der Islam beziehungsweise die Muslime seien eine Bedrohung. Islam und Terror werden vielfach gleichgesetzt.

Im Wissen um die Wirkung solcher schockierenden Darstellungen, dienen sie den Akteuren regelmäßig als Beleg für rassistische Thesen. Demnach liege der Hang zu Gewalt und Grausamkeiten in der Natur eines jeden gläubigen Muslims. Schlussfolgerung dieser rassistischen Argumentationskette: Der Islam und die Muslime sind eine Bedrohung. Eine Differenzierung zwischen gewalttätigen Islamisten und Muslimen findet nicht statt.

Die Autoren der Blogs beschränken sich häufig auf Äußerungen, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. In zugehörigen Kommentaren führen jedoch insbesondere die Gräueldarstellungen schnell zu einer pauschalen Verunglimpfung aller Muslime und münden in volksverhetzenden Äußerungen oder Gewaltaufrufen. Ein User sieht in den Bildern beispielsweise den Beweis, dass der Islam die Seele vergifte und spricht mit Blick auf Muslime offen von "menschlichem Abfall". Ein anderer plädiert für "proaktive Notwehr" und ist bereit, sein Leben zu geben, damit seine Kinder nicht unter diesem "Teufelskult" leben müssen.

Entsprechende Beiträge werden im Social Web regelmäßig geteilt und erlangen dadurch große Reichweite. Auf Kinder und Jugendliche können die grausamen Darstellungen eine verstörende Wirkung entfalten und es besteht die Gefahr, dass sie ein undifferenziertes Bild übernehmen, das den Islam pauschal als böse und Muslime als grausam darstellt.

Falschdarstellungen schüren Ressentiments

Wiederkehrendes Element in der Hetze gegen Muslime sind so genannte Hoaxes, also gezielte Falschdarstellungen, die auf virale Verbreitung über das Internet setzen. Dabei werden Berichte in Umlauf gebracht, die rassistische Beiträge (z.B. "alle Muslime sind Vergewaltiger") oder vermeintliche Beweise der drohenden "Islamisierung" der Gesellschaft enthalten. Die Herkunft der Beiträge ist meist nicht oder nur schwer nachvollziehbar. Die Urheber machen sich zunutze, dass Quellen von vordergründig einleuchtenden Informationen nur selten überprüft werden und Ungereimtheiten in der Informationsflut untergehen.

Collage auf Facebook: Verteuflung des Islams mittels aus dem Kontext gerissener Darstellungen (Quelle: Facebook; Original unverpixelt)

Auch werden oft furchterregende Ereignisse geschildert, die einer realen Grundlage entbehren. So wurde beispielsweise ein Bild tausendfach geteilt, das eine ans Bett gefesselte blutüberströmte Frau mit einem Kreuz im Rachen zeigt. Es wird als Beleg für eine angebliche Vergewaltigung und Ermordung einer Christin durch Muslime ins Feld geführt. Nicht zu erkennen ist, dass es sich um eine Abbildung aus einem Splatterfilm (ein besonders blutiger Horrorfilm) und damit um eine fiktive Szene handelt. Die schockierende (Falsch-) Meldung soll so die Behauptung einer prinzipiellen Feindschaft von Christen und Muslimen untermauern, wobei Letztere als brutal und unmenschlich dargestellt werden.

Drastische Bilder und Aussagen emotionalisieren

Kurze, provokante Texte und Bilder stellen vor allem im Social Web ein gängiges Mittel dar, um Botschaften eindringlich zu transportieren. Rassistische und diskriminierende Botschaften gegenüber Muslimen werden dabei häufig mithilfe satirisch oder pseudowissenschaftlich eingekleideter Botschaften verbreitet, die Muslime lächerlich machen oder als kriminell oder minderwertig stigmatisieren.

Schnelle, eingängige Bildbotschaft: Ekelerregender Vergleich soll generelle Ablehnung des Islams untermautern (Quelle: Facebook)

Abstoßende Darstellungen des Islams als schimmliges Brot und Fußpilz oder gar Bilder, die Muslime mit Müll assoziieren, setzen auf eine spontane emotionale Reaktion. Sie sprechen vor allem das Bauchgefühl der User an und provozieren dadurch Zustimmung und eine verunglimpfende Haltung gegenüber Islam und Muslimen. Recherchen von jugendschutz.net zeigen: Je drastischer ein Beitrag ist, desto eher verbreitet er sich schneeballartig und erzielt große Zustimmung.


Datum:
20.10.2016

Zusammenfassung

Rechtsextreme Gruppen nutzen die Angst vor islamistischer Gewalt, um Hass zu schüren. Mit muslimfeindlichen Kampagnen, Falschdarstellungen und emotionalisierenden Bildern machen sie massiv Stimmung, verunglimpfen Muslime und rufen zur Gewalt auf. Islamfeindliche Beiträge erlangen vor allem im Social Web große Reichweite, finden auch jenseits rechtsextremer Kreise Verbreitung und bilden so den Nährboden für Hassattacken auf Muslime.